Der Bastelwut-Überraschungstrip vom Saarland nach Neu-Isenburg

Hallöchen!

Eigentlich hatte ich für heute einen anderen Beitrag geplant. Der muss warten. Denn das was ich dir heute erzähle, muss quasi unbedingt aus mir raus. Und eine kleine Warnung vorweg: ich zeige dir jetzt nix aus Papier und es könnte EVENTUELL vorkommen, dass ich das ein oder andere Schimpfwort benutze 😉

Ich fange gaaaanz vorne an. An diesem Wochenende findet das legendäre Camp Ink in Rückersbach statt. Das ist ein 2 -tägiger Workshop Marathon an dem jeder teilnehmen kann und auch durchaus mal sollte. Da hab ich auch schon zweimal teilgenommen, fand ich auch stark, aber dieses Mal hab ich aus diversen Gründen ausgesetzt. Ein Teil meiner sehr liebgewonnenen Freundinnen aus unserer „Reisegruppe Bastelwut“ (wer wir sind und was das soll kannst du HIER lesen) nimmt am besagten Camp Ink teil. Es wurde beschlossen, dass man sich am Freitag Abend vor dem Camp bereits zum Essen in Hanau trifft. Da ich ja für jeden Spaß zu haben bin, habe ich kurzerhand beschlossen dort als Überraschungsgast aufzutauchen. Die wunderbare Sandra bat mir für die Nacht ein Bett, damit ich nicht noch in der gleichen Nacht wieder nachhause muss und das Ganze für mich stressfrei und angenehm wird. Der Plan schien perfekt! Es war verabredet, dass ich gegen 16:30 Uhr bei Sandra in Neu-Isenburg auflaufe und wir dann weiter fahren nach Hanau um dort die Truppe zu überraschen. Ich hab also meine Zahnbürste und ein paar Goodies für die Mädels eingepackt und bin gegen 14 Uhr im Saarland aufgebrochen.

Jetzt ist es ja so, dass ich wenn nötig, mein Handy als Navi nutze. Ich hab ein neues Handy. Seit vier Monaten bin ich dem Hersteller mit dem Apfel verfallen. Ich hatte vorher immer andere Handys, aber die waren ständig kaputt, gingen einfach aus oder waren auf irgendeine andere Art einfach unzuverlässig. Ich und mein Äpfelchen – ein starkes Team! Dachte ich…. denn auf der Autobahn bei Kaiserslautern hat das Handy das Zeitliche gesegnet. Tot. Bildschirm schwarz! Es geht nicht mehr an. Ich probiere alles, was sich während der Fahrt von einem absoluten Technik-Trottel eben probieren lässt. Es ist nix zu machen. Ich hab dann überlegt was meine Optionen sind. Möglichkeit a: ich fahre Nachhause und rufe Sandra an, dass ich nicht komme weil ich kein Navi habe. Möglichkeit b: ich versuche ohne Navi Neu-Isenburg zu finden, finde es nicht und mache mir ein schönes Wochenende in Buxtehude. Möglichkeit c: ich beiße die Arschbacken zusammen, verhalte mich wie ein halbwegs kluger und mutiger Mensch und finde dieses gottverdammte Neu-Isenburg! Punkt! Ich bin schon bei Alzey als ich mich für Tor C entscheide. Mittlerweile habe ich 2 Lachanfälle, eine Panikattacke und drei Wutausbrüche hinter mir und bin fest entschlossen, an meinem Ziel anzukommen. Und zwar pünktlich! Ich hab bei Groß-Gerau beschlossen, dass ich mal abfahre und nach dem Weg frage. In einer Metzgerei schildere ich der Verkäuferin (die eher aussieht wie eine Angestellte von Douglas) meine Situation und sage,dass ich eine Wegbeschreibung brauche und pünktlich in Neu-Isenburg sein muss, bevor Sandra ohne mich nach Hanau zum Essen fährt. Ich bekomme dort sehr kluge Ratschläge, wie „Rufen Sie doch Ihre Freundin an, dass Sie zu spät kommen und sie auf Sie warten soll“ oder „können Sie den Weg nicht googeln?“. Naja, war denn eher semi-erfolgreich. Weiter zur nächsten Tankstelle. Ein junger Mann kann mir dort auch nicht helfen, denn er kennt zwar Neu-Isenburg, weiß aber nicht wirklich wie man da hinkommt. Ich soll mal Richtung Langen fahren. Hab ich dann gemacht. Ich komme genau einen Kilometer weit, bis zur Baustelle. Denn die Strecke nach Langen wird gerade aufgehübscht und darf nicht befahren werden. Nächste Panikattacke. Aber nutzt ja nix. Ich fahre weiter, sehe einen Discounter und einen Parkplatz voller Menschen. Dort quatsche ich zwei junge Mädels an. Sie reichen mir ein Smartphone, damit ich mir bei Maps die Strecke ansehen kann. Nächster kluger Rat: „Machen Sie sich doch ein Foto von der Karte.“ Ja wie denn? Skizzieren? Mit Stöckchen im Kofferaum nachbilden? Mir auf den Unterarm tätowieren lassen? Ich bedanke mich freundlich und fahre weiter. Jetzt weiß ich allerdings ungefähr wie ich fahren muss und komme (Applaus bitte)  zur geplanten Uhrzeit in Neu-Isenburg an. Ich parke vor Sandras Haus und weine ein bisschen. Einfach, weil ich glücklich bin und Neu-Isenburg so schön ist.

Ich klingele und niemand ist Zuhause. Wieder Panik! Ist sie früher los und hat mich nicht erreicht? Stehe ich jetzt dumm hier rum und kann grad wieder heim fahren weil die schon alle in Hanau sind? Da könnte ich jetzt nicht mal hinfahren, denn ich weiß gar nicht wo das Essen stattfindet. Ich versuche mich zu beruhigen und warte. Irgendwann taucht Steffi auf, die auch mit Sandra verabredet ist. Und kurz später kommt auch Sandra. Sie musste länger arbeiten. Nicht mehr und nicht weniger. Hat ja irgendwie alles gepasst am Freitag 😉

Wie war das nur in den 80ern, als die Navis unerschwinglich und die Smartphones noch nicht erfunden waren? Da kam man doch auch ans Ziel! Ich wollte mir übrigens unterwegs eine Faltkarte kaufen. Allerdings gab es zwischen Kaiserslautern und Groß-Gerau keine Möglichkeit dazu. Auch seltsam! Was mich ebenfalls beschäftigt: welche Wirkung habe ich auf andere? Außer den zwei jungen Mädels am Discounter war NIEMAND bereit, mir mal kurz sein Smartphone zu geben um ne Karte zu öffnen. Dachten die alle ich renne damit weg? Sehe ich aus, als könne ich schnell rennen? Ich finde nicht! Wirke ich wie ein Dieb? Unglaublich, oder? Es war teilweise so absurd, dass ich an meinem Verstand zweifeln musste.

Nun denn. Wir hatten einen tollen Abend, meine Bastelwut Mädels und ich. Die Überraschung war gelungen und die Mädels haben sich tatsächlich gefreut, dass ich da war. Und ich hab mich auch gefreut. Ich bin angekommen. Ohne Navi, am vereinbarten Ort, zur vereinbarten Zeit und fern meiner Heimat. Man soll es nicht für möglich halten, dass man so stolz auf etwas ist, was vor Jahren selbstverständlich war – am Ziel ankommen ohne technische Hilfe.

Ich mache das jetzt öfter. Fahre einfach los. Ohne Navi. Ankommen ist gut fürs Ego 😉

Ich wollte übrigens am Abend meinem Mann mitteilen, dass ich gut angekommen bin und ihm vom Handysterben erzählen. Jetzt ist es offen gestanden so, dass ich seine Handynummer nicht im Kopf habe. Ihn auf dem Festnetz anrufen ging auch nicht. Am Freitag sollte unser Telefonanschluss umgestellt werden. Hat leider nicht funktioniert. Festnetz tot. Du siehst, am Freitag lief´s bei uns. Rückwärts, aber es lief. Die einzigen vier Nummern die ich im Kopf habe sind meine, unsere Festnetznummer, die meiner Eltern und die vom Pizzaservice. Also rief ich meinen Vater an und bat ihn, mir die Nummer meines Mannes zu geben. Das musste ich dem erst mal genau erklären. Sinniger Beitrag meines Vaters (Fernfahrer in Rente): “ Neu-Isenburg? Das liegt bei Offenbach“. JA, ICH WEISS ES JETZT! 😀 Immerhin sagte er mir, dass er stolz auf mich ist.

Gestern bin ich dann wieder heim gefahren. Ohne Navi, versteht sich. Am Nachmittag wollte eine Kundin zum ersten Mal zu mir kommen. Ich weiß gar nicht genau wo sie wohnt, jedenfalls irgendwo im näheren Umkreis. Ich hab auf sie gewartet, und gewartet und gewartet. Sie kam nicht. Ich hab ihr dann mal geschrieben, ob was passiert sei. Fast 2 Stunden nach der vereinbarten Uhrzeit antwortete sie mir, dass sie wieder nachhause gefahren ist. Ihr ging unterwegs das Handy aus. Somit auch ihr Navi. Sie fand die Heinestraße nicht. Da musste ich ganz kurz schmunzeln 😉

Und bei dir so?

Bis bald,
Christiane

 

This Article Has 6 Comments
  1. Simone sagt:

    Ich habe mich köstlich amüsiert! Danke!
    Außerdem bin ich froh, dass Dir nix passiert ist und Du ankamst.
    (Tipp einer technikaffinen Informatikerin: Always leave a uralt-Edition of a Straßenkarte in the back of your car 😉 )

    Ich drück Dich! <3
    Simone

  2. Astrid sagt:

    OMG!!! Sorry Christiane, ich musste gerade beim Lesen mehr als Schmunzeln!!! Aber du hast es tatsächlich geschafft und ich verbeuge mich vor dieser Leistung. War letztes WE in Leverkusen und die Auffahrt zur Autobahn gesperrt. Nach 1 Stunde im Stau in Köln-Deutz hätte ich auch mit Navi fast heulen können!
    Plotter dir doch mal ein „Ich klaue keine Handys“-T-Shirt und leg´s für alle Fälle mal in den Kofferaum, dann klappt´s vielleicht auch mit den Fremdlingen. 🙂
    Bis Donnerstag.
    LG Astrid

  3. Kerstin sagt:

    Sensationell dein Bericht! Ich bin über alle Maßen stolz auf dich. Hin und zurück ohne Navi! So richtig old school nur das Auto und Du 😀 gut gemacht!!!!

  4. Hallo Christiane!
    Ich muss immer noch lachen, während ich das hier schreibe. Passiert das eigentlich nur Frauen? Nein, oder? Die Männer trauen sich bloß nicht es zuzugeben ; ).
    Schön, dass Du es aber trotzdem noch pünktlich nach Neu-Isenburg geschafft hast. Ich hoffe der Abend und der Rest des Wochenendes verlief etwas besser.
    Danke für Deine tolle Geschichte : ).
    Schicke Dir liebe Grüße
    Sandra

  5. Ach Christiane, herrlich dein Beitrag. Äpfel sind also doch nicht so gesund wie gedacht 😉 Musste gerade an unsere Heimfahrt von Hallenberg denken. Mit dir ist immer ein Abenteuer programmiert. Drück dich und schicke dir liebe Grüße!
    Esther

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